Geliebtes Algerien

Mein Leben in Zeiten des algerischen Frühlings

Eine junge Algerierin beschließt aufgrund der politischen Unruhen in ihrer Heimat und Differenzen mit ihrer Familie, das Land ihrer Geburt zu verlassen und sich ein neues Leben in Deutschland aufzubauen.
Den Eltern missfällt, dass ihre erstgeborene Tochter – entgegen der Tradition – studieren und ihr Leben selbst gestalten möchte. Außerdem sehen sie es nicht gern, dass die junge Frau auch zu männlichen Studenten Kontakt pflegt.
Als sich die gewalttätigen Übergriffe zwischen den politischen Lagern in Algier häufen und immer verheerenderere Ausmaße annehmen, sieht die junge Muslimin keinen anderen Ausweg, als nach Deutschland zu emigrieren.
Wird sie dort ihr Glück finden?

 

 
ISBN:  978-3-86237-766-4


 

Rezensionen zum Buch

Von Algerien nach Barsinghausen


Autorin Aida Restorff schreibt über Revolution und Exil
Von Christopher Piltz


Sie hat ihre Heimat wegen politischer Unruhen verlassen, alle Hoffnung auf ein neues Leben in Wohlstand und Freiheit gesetzt – und zu Beginn bittere Enttäuschung erlebt. Ende der achtziger Jahre flüchtet Aida Restorff aus Algerien. Die gesellschaftlichen Zwänge und Verpflichtungen engen sie zu sehr ein, sie hofft auf einen Neuanfang im wiedervereinten Deutschland. Doch alle Illusionen auf ein freies, unbeschwertes Leben verfliegen schnell. Stattdessen kommen der damaligen Studentin Selbstmordgedanken.
Der Beginn des Buches „Geliebtes Algerien – Mein Leben in Zeiten des algerischen Frühlings“ ist schnell, fesselnd und verstörend zugleich. Die Autorin Aida Restorff, die heute in Barsinghausen lebt, schildert in dem Buch ihre Erinnerungen an ein totalitäres Algerien, das Frauen unterdrückt, in dem Korruption alltäglich ist. Von ihrer Kindheit bis in die Studentenzeit berichtet sie, ausgeschmückt mit Details und manchmal unpassenden Nebenhandlungen, wie sie immer auf der Suche nach der persönlichen Freiheit war. Nach dem eigenen Glück.

Die Erzählungen der studierten Bauingenieurin scheinen, da die Handlung vor mehr als zwanzig Jahren spielt, zuerst nicht mehr aktuell, sind es aber vielleicht mehr denn je. Die Nachwehen des Arabischen Frühlings sind noch immer zu spüren: Ägypten befindet sich mitten im politischen Umbruch, und die Bilder vom Kampf der Staatsmacht gegen den bewaffneten Widerstand in Syrien sind täglich im Fernsehen zu sehen.
„Algerien war vielen arabischen Staaten etwas voraus“, sagt Restorff im Gespräch. „Eine Situation, wie wir sie jetzt in Syrien erleben, hatten wir schon vor zwei Jahrzehnten. Und damals hat sich kaum einer dafür interessiert.“ Eine halbe Million Tote habe die Revolution gekostet, die Algerien schon Ende der achtziger Jahre erlebte. Während dieser Zeit flieht die gebürtige Aida Attou aus ihrer Heimat und geht mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes im Gepäck nach Deutschland. Sie will hier ihr Ingenieursstudium beenden, Freiheit gewinnen. Doch sie merkt schnell: Westlicher Wohlstand und wissenschaftlicher Fortschritt führen nicht automatisch zu persönlicher Freiheit.
Doch nur kurz, zu Beginn der knapp 100 Seiten langen Geschichte, erzählt sie von ihren ersten Monaten in Deutschland. Hier berichtet sie von ihrem neuen Leben in der Fremde, das begleitet war von Akzeptanzproblemen und der Furcht vor einer Rückkehr nach Algerien. Dann springt sie in ihrer Erzählung in die Vergangenheit zurück.
Schon als Jugendliche wird Aida von einem revolutionären Charakter getrieben, sie möchte mehr sehen und erleben und nicht nur im kahlen Klassenzimmer sitzen und durch das Fenster verträumt das Meer betrachten. Für sie wird dieses Meer am Ende ihre Rettung sein, wie sie berichtet. Es löste bei ihr schon als Kind die Sehnsucht und Neugierde aus, die sie dazu führt, immer wieder gegen Konventionen und gesellschaftliche Regeln zu verstoßen. Und die sie als junge Frau nach Deutschland führen wird.
 

Hannoversche Allgemeine Zeitung
Erschienen am 05.01.2013

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